Der Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP) hat auf seiner diesjährigen Mitgliederversammlung, die am 27. und 28. September 2022 in Berlin stattfand, verschiedene Strategie- und Zukunftsthemen diskutiert. Etwa 100 Delegierte von Mitgliedern, die Einrichtungen und Dienste der Eingliederungshilfe in ganz Deutschland betreiben, kamen nach zwei Pandemie-Jahren wieder in Präsenz zu ihrer jährlichen Tagung zusammen und tauschten sich zu drängenden Fragen in der Behindertenhilfe und Psychiatrie aus.
Auf der Agenda stand zunächst die nach wie vor problematische Schnittstelle zwischen Eingliederungshilfe und Pflege, die in den Einrichtungen unterschiedlich umgesetzt wird. Hier stehen sich die Ziele einer bestmöglichen Versorgung der Betroffenen und der Ambulantisierung der Strukturen gegenüber. Einigkeit herrschte bei der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) aus der Perspektive der Leistungserbringer. Hier werden die schleppende Umsetzung des BTHG und damit die bislang mangelhafte Verwirklichung der Personenzentrierung in der Eingliederungshilfe beklagt.
Kontrovers, aber auch konstruktiv diskutiert wurde das Positionspapier mit dem Vorschlag zur Einführung eines sozial-ökologischen Jahres ab 2023. Die Idee ist, ein solches Pflichtjahr für alle jungen Menschen einzuführen, um diesen persönliche Erfahrungen und Einblicke in eine Tätigkeit des Sozial- und Gesundheitswesens, insbesondere in der Behindertenhilfe und Sozialpsychiatrie, zu ermöglichen. Perspektivisch könnte damit möglicherweise auch dem Personal- und Fachkräftemangel abgeholfen werden, der sich in den kommenden Jahren noch weiter zuspitzen und verschärfen wird.
Ein solches Jahr wäre ein Beitrag zur gemeinschaftlich verantworteten Sicherstellung der Versorgung von Menschen mit Unterstützungsbedarf. Weiterhin würde ein Einblick in das Leben der Menschen mit Behinderung, der Menschen im Alter und aller Menschen, die Unterstützung benötigen, nicht nur die Teilnehmenden bereichern, sondern darüber hinaus zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen. Der Vorstand wird die Impulse aus der Mitgliederschaft aufnehmen und bei der Weiterarbeit an der Problematik berücksichtigen.
Neben den Verbandsregularien erfolgte am ersten Tag ein ausführlicher Bericht zum aktuellen Stand sowie zur weiteren Arbeit der Fachkräfte-Kampagne des CBP. Außerdem wurde am Vormittag der CBP-Angehörigenbeirat neu gewählt. Am zweiten Tag standen unter dem Motto "Impulse für eine zukunftsfähige Behindertenhilfe und Psychiatrie in der Caritas" fachliche Vorträge von Prof. Dr. Bernhard Greitemann von der Universitätsklinik Münster, von Prof. Dr. Erik Weber von der Universität Marburg, von Dr. Annette Tabbara, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, sowie von Prof. Dr. Thomas Schüller von der Universität Münster auf dem Programm. Themen waren die digitale gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderung, die Schnittstellen zwischen Pflege und Teilhabe im Sozialsystem, die Sozialpolitik für Menschen mit Behinderung sowie die neue kirchliche Grundordnung.