Im Rahmen einer verbandsinternen Umfrage des Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP) gaben 35% der teilnehmenden Organisationen an, bereits jetzt einige ihrer Leistungs- und Wohnangebote auf Grund der schwierigen Situation nicht mehr aufrecht erhalten zu können. Jedes wegfallende Leistungsangebot schränkt Möglichkeiten der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ein und behindert darüber hinaus die Erwerbstätigkeit Angehöriger, die die Lücke füllen müssen, so der CBP im Rahmen seiner Jahresplankonferenz in Berlin.
Mitglieder des CBP - allesamt Rechtsträger, die Leistungen für Menschen mit Behinderungen im Rahmen der sozialen Teilhabe und der Teilhabe am Arbeitsleben vorhalten - waren Ende 2025 zu ihrer wirtschaftlichen und personellen Situation befragt worden. Als Gründe, dass Leistungsangebote nicht mehr aufrechterhalten werden könnten, gaben sie die unzureichende Vergütung ihrer Leistungen durch die Leistungsträger ebenso an wie den Personal- und Fachkräftemangel. Zwei von drei teilnehmenden Organisationen (68%) gaben darüber hinaus an, dass es zum Zeitpunkt der Umfrage Angebote in den Diensten und Einrichtungen gebe, die wirtschaftlich und personell nicht stabil seien.
Anni Rehmann, Vorsitzende des Angehörigenbeirates des CBP, unterstrich die Ergebnisse der Umfrage mit ihren persönlichen Erfahrungen aus dem Betreuungsalltag ihres Sohnes durch vier prägnante Aussagen: Personalmangel, hohe Krankenstände, hohe Fluktuation und zunehmend die Reduktion von Angeboten bis hin zum Ausfall. Teilhabe sei aber kein Nice-to-have, so Rehmann, sondern ein Menschenrecht. Sie verwies darauf, dass insbesondere Menschen mit hohen Unterstützungsbedarfen das Nachsehen hätten. Das sei so nicht hinzunehmen. Aber nicht nur sie seien betroffen, so die Angehörigenvertreterin, sondern ebenso die Elternteile, welche bei ausfallenden tagesstrukturierenden Leistungen, der Schließung von Wohnangeboten und angesichts langer Wartelisten für einen Wohnplatz auf die eigene Erwerbstätigkeit verzichten müssten, um die Betreuung selbst zu leisten.
Hier zeige sich die Systemrelevanz der Behindertenhilfe für die Volkswirtschaft, betonte Wolfgang Tyrychter, 1. Vorsitzender des CBP, bei der Vorstellung der Zahlen. "Auch angesichts dieser Systemrelevanz ist es ein großer Fehler, dass das Thema Behinderung - im Vergleich z.B. zur Pflegebedürftigkeit - viel zu oft als gesellschaftliches und politisches Nischenthema behandelt wird. Nach wie vor drohen Menschen mit Behinderungen übersehen zu werden. Der CBP muss deshalb mit seinen Forderungen und Weckrufen immer wieder auch unbequem sein", so Tyrychter.
Der Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP) ist ein anerkannter Fachverband im Deutschen Caritasverband. Mehr als 1100 Mitgliedseinrichtungen begleiten mit ca. 94.000 Mitarbeitenden rund 200.000 Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen und unterstützen ihre selbstbestimmte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft.
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